Enable - Tour
  2000

20000 km ­
Als Rollstuhlfahrer durch Neuseeland
und Australien zur Paralympics 2000.
the rock

 

Ich fahre mit einem bei UNICAT speziell nach meinen Vorstellungen und
Bedürfnissen gebauten Allrad-Wohnmobil vom 20.12.99 bis voraussichtlich
Mitte Oktober 2000 fast 11 Monate kreuz und quer durch Neuseeland und Australien.

 

Reisen ist für viele eine der schönsten Sachen der Welt.

Als Nicht-Behinderter stellen Sie meist auch kein größeres Problem dar - man geht in ein Reisebüro, entscheidet aufgrund von Portemonnaie und Neigung, packt seinen Krempel und verbringt die ein oder andere Woche mehr oder weniger zufrieden an/in/auf seinem gewählten Urlaubsziel. Punkt.
Die Urlaubsplanung Behinderter richtet sich nach ganz anderen, existenzielleren Voraussetzungen, nämlich Schlafplatz, Toilettenplatz und Mobilität. Somit beschränkt sich die Auswahl auf die wenigen, meist (pau)schalen Angebote oder man beschäftigt sich einen Großteil der kostbaren Urlaubszeit mit der Suche nach oben genanntem. Danach checkt man meist das Freizeitangebot. Geht das auch als Behinderter? Viele Anfragen werden abschlägig beantwortet,
nicht weil das als Behinderter nicht geht, sondern weil gerade dieser Anbieter nicht das richtige Equipment hat.
Andere schon, aber welcher?
Lange Rede, kurzer Sinn: ein kompetenter, freizeitorientierter Reiseführer muß her! Womit der erste Grund fur diese Reise bereits erklärt wäre.

Ich werde auf dieser Reise fur einen Rolli-Reisefuhrer uber Australien und Neuseeland recherchieren, den ich hoffentlich schon auf der nächsten Reha-Messe, spätestens aber 2001, präsentieren kann.

Ein weiterer Punkt begründet sich in meinen ersten zwei Jahren nach dem Unfall sowie durch Kontakte zu anderen Behinderten.
Mein vorheriges Leben war jäh zerstört, mein neues konnte und wollte ich nicht akzeptieren. Nie hätte ich es für möglich gehalten, jemals wieder alleine Reisen zu können. Verschiedene Umstände, nicht zuletzt das andere Geschlecht, überzeugten mich davon, es wenigstens zu versuchen. Mit Erfolg. Zum einen möchte ich anderen Betroffenen Mut machen, Dinge, die man sich zunächst nicht vorstellen kann. Zum anderen möchte ich anderen die Möglichkeit geben, einen aktiven Individualurlaub in Neuseeland oder Australien zu verbringen.

Abschließend möchte ich noch ein paar allgemeinere Worte hinzufugen. Es kostet viel Zeit und Energie sich mit seinem behinderten Leben zu arrangieren; Rückschläge sind wegzustecken, Kompromisse einzugehen und manche geplanten Lebensziele sind nicht realisierbar. Doch mit Initiative und Flexibilität läßt sich ein Leben führen, welches man als so Zufrieden und Erfüllt ansehen kann, wie man es nicht für möglich gehalten hat.
Herausforderungen anzunehmen und vielleicht sogar erfolgreich zu bestehen ist einer der größten Stützen für das Selbstwertgefühl.

 

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